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Vom Seiteneinstieg ins Klassenzimmer


Neue Wege führen manchmal genau dorthin, wo man schon immer hinwollte. Für Sophy Latzke war das der Weg ins Klassenzimmer. Nach vielen Jahren im frühpädagogischen Bereich nutzte sie das Seiteneinsteigerprogramm der DPFA, um Lehrerin zu werden. Seit 2024 bringt sie ihre bisherigen Erfahrungen an der DPFA-Regenbogen-Grundschule Zwickau „Carl Friedrich Benz“ ein und entwickelt sich gleichzeitig in ihrer neuen Rolle weiter.

Im Interview erzählt Sophy Latzke, wie sie den Seiteneinstieg erlebt hat, welche Erfahrungen aus ihrem bisherigen Berufsleben ihr heute helfen und welche Herausforderungen der Schulalltag für sie bereithält.

Sophy Latzke an ihrem Arbeitsplatz im Klassenzimmer.
Sophy Latzke ist Klassenleiterin an der DPFA-Regenbogen-Grundschule Zwickau „Carl Friedrich Benz“ und unterrichtet Deutsch und Sachunterricht sowie den Förder- und Projektunterricht. Foto: DPFA Zwickau

Frage: Liebe Frau Latzke, warum haben Sie sich für die DPFA entschieden?

Sophy Latzke: Für die DPFA habe ich mich entschieden, weil mich das Konzept und die Haltung der Schule angesprochen haben. Mein Berufswunsch war schon immer, Grundschullehrerin zu werden. Damals habe ich mich jedoch für einen anderen Studiengang entschieden und bin zunächst einen anderen beruflichen Weg gegangen. Durch meine bisherige Tätigkeit im frühpädagogischen Bereich ist der Wunsch, als Grundschullehrerin zu arbeiten, jedoch immer bestehen geblieben. Mir ist wichtig, dass Kinder nicht nur Wissen vermittelt bekommen, sondern in ihrer Persönlichkeit gesehen und begleitet werden. Gerade der individuelle Blick auf jedes Kind, die Zusammenarbeit im Tandem mit Erzieher:in und die Möglichkeit, Schule aktiv mitzugestalten, waren für mich entscheidende Punkte. Die Möglichkeit zum Seiteneinstieg bei der DPFA habe ich als große Chance gesehen, meinen ursprünglichen Berufswunsch doch noch zu verwirklichen. Seit 2024 arbeite ich nun an der Schule und kann dabei meine bisherigen beruflichen Erfahrungen und Kenntnisse sehr gut einbringen und gleichzeitig neue Erfahrungen im Grundschulbereich sammeln.

Welchen Beruf haben Sie ursprünglich erlernt?

Mein beruflicher Weg begann im frühpädagogischen Bereich. Nach meinem Studium der „Interdisziplinären Frühförderung“ war ich viele Jahre integrativ/inklusiv in Kindertageseinrichtungen tätig und habe davon neun Jahre die Leitung übernommen. 

Welche Fähigkeiten aus diesem früheren Beruf helfen Ihnen jetzt?

Sehr vieles aus meiner bisherigen Arbeit begleitet mich heute auch im Schulalltag. Besonders hilfreich sind für mich meine Erfahrungen in der Beobachtung und Einschätzung kindlicher Entwicklungsstände. Ich habe gelernt, genau hinzusehen. Was kann ein Kind bereits gut? Wo braucht es Unterstützung? Und welche kleinen Schritte sind als Nächstes realistisch?

Auch die Zusammenarbeit mit Eltern ist für mich ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Gerade wenn es um Sorgen oder Unsicherheiten geht, versuche ich, offen, wertschätzend und lösungsorientiert im Gespräch zu bleiben. Aus meiner Zeit in der Frühförderung nehme ich außerdem die Erfahrung mit, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist, etwa mit Eltern, Kolleginnen und Kollegen, Schulsozialarbeit, Therapeutinnen und Therapeuten oder weiteren Fachkräften.

Worin unterscheidet sich der Lehrerberuf am meisten von Ihrem früheren Beruf?

Der größte Unterschied liegt für mich in der stärkeren fachlichen und curricularen Ausrichtung. In der Kita stand die Begleitung von Bildungsprozessen häufig sehr offen und situationsorientiert im Mittelpunkt. In der Schule arbeite ich stärker mit verbindlichen Lernzielen, festen Unterrichtszeiten und Leistungsanforderungen.

Wie haben Sie das Seiteneinsteigerprogramm empfunden?

Das Seiteneinsteigerprogramm habe ich als intensive und lehrreiche Zeit erlebt. Es war herausfordernd, weil ich mich gleichzeitig in neue fachliche Inhalte, schulische Abläufe und die Rolle als Lehrkraft einarbeiten musste. Besonders am Anfang kamen viele neue Fragen auf. Wie plane ich Unterricht sinnvoll? Wie gestalte ich Leistungsbewertungen? Wie organisiere ich den Alltag als Klassenleiterin? Gleichzeitig habe ich diese Zeit als große Chance empfunden. Ich konnte meine bisherigen Erfahrungen einbringen und mich gezielt weiterentwickeln. Hilfreich waren für mich vor allem der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie die Möglichkeit, Fragen aus der Praxis direkt aufzugreifen. Ich habe gelernt, dass man als Lehrkraft nicht sofort alles wissen muss, aber bereit sein sollte, sich weiterzubilden und Unterstützung anzunehmen.

Haben Sie noch weitere Weiterbildungen geplant?

Ja, Weiterbildung bleibt für mich ein wichtiger Teil meines Berufswegs. Besonders interessieren mich Fortbildungen zu den Themen Selbstorganisiertes Lernen (SOL), Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Inklusion, Digitale Medien und KI. Gerade im Grundschulbereich sind die Lernvoraussetzungen sehr unterschiedlich. Deshalb halte ich es für wichtig, fachlich immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben und neue Impulse für den Unterricht mitzunehmen.

Was sehen Sie weiterhin als Herausforderungen im Schulalltag?

Eine große Herausforderung ist für mich, allen Kindern gerecht zu werden. Die Balance zwischen gemeinschaftlichem Lernen und individueller Förderung gelingt nicht immer leicht, ist aber für mich ein zentraler Anspruch. Auch die Zusammenarbeit mit Eltern kann herausfordernd sein, besonders wenn Erwartungen, Sorgen oder Einschätzungen auseinandergehen.

Eine weitere Herausforderung ist die Zeit. Guter Unterricht, individuelle Förderung, Gespräche mit Eltern, Dokumentation und Absprachen im Kollegium brauchen viel Raum. Gerade als Seiteneinsteiger muss man lernen Prioritäten zu setzen und sich bewusst machen, dass nicht alles sofort perfekt sein muss.

Welche Hobbys haben Sie?

In meiner Freizeit engagiere ich mich in unserem Heimatfußballverein. Ich trainiere junge Spielerinnen und Spieler und bin Jugendleiterin für den Kleinfeldbereich. Diese Aufgabe bereitet mir große Freude, weil ich auch dort Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung begleiten kann.